LESEINSEL – ERWEITERUNG DER BIBLIOTHEK



Die Stadtbibliothek Wolfsburgs ist angesichts ihrer zentralen Lage Anlaufstelle für diverse Personengruppen. Die Umsetzung der Leseinsel am nahe gelegenen Platz der Bibliothek soll ihren Besuchern, sowie täglichen Passanten eine Plattform zum Lesen bieten und als Erholungsort dienen. Familien, Studenten, Einwanderern, Rentnern und Kindern wird dort eine Gelegenheit geboten, um zu Rasten und sich eine ruhige Auszeit zu genehmigen. Sie können sich dort ihren mitgebrachten Medien widmen oder die vor Ort installierten Bücher nutzen. Die Leseinsel stellt eine Kommunikationsplattform für verschiedenste Gesellschaftsgruppen dar. Dafür verbindet das Projekt der Leseinsel soziales Arrangement mit kulturellem Bildungsgut. Gleichzeitig kann der Besuch der Leseinsel auch den Anreiz für einen Besuch in der Stadtbibliothek liefern. Die Plattform ist einerseits ein Zugewinn für die Mitglieder der Bibliothek und andererseits bleibt sie auch temporären Besuchern der Stadt nicht verschlossen. Angelehnt ist die partizipative Außenrauminstallation an die Wissenschaft der Etymologie. Damit soll die Entwicklung des Diskurses, der durch Sprache und Schrift erst ermöglicht wurde, aufgegriffen und gefördert werden. Die Leseinsel schafft Aufmerksamkeit für kulturelle Randgruppen. Ihnen soll mit dem breit gefächerten Angebot der Lesekästen die Freude an der Sprache nicht verschlossen bleiben. Die Insel soll einen symbolischen Wert transportieren, indem sie die Menschen verbindet und so als Knotenpunkt zur Förderung der klassenunspezifischen und intellektuellen Integration fungiert. Das Objekt ist so konzipiert, dass es genügend Raum bietet, sich wie in einem Park hinzulegen. Die Holzkonstruktion bietet dazu durch die Lamellen und die Anlehnflächen an den Stufen ausreichend Platz. Durch die geometrische Form des Sechsecks auf jeweils drei Stufen wird architektonisch an die kulturelle Entwicklung vom Symbol zur Sprache erinnert. Die Kugel in der Mitte des Objektes, auf der das Wort Lesen in verschiedenen Sprachen graviert wird, ist Schmuckstück und Informationsträger für die Besucher zugleich. Die Lesekästen samt Innenleben geben Aufteilungen zum Sortieren vor. Die acht Kästen befinden sich versetzt jeweils mittig auf den Stufen und sollen die verschiedenen Literatursparten beherbergen. Das Konzept der Leseinsel könnte durch zwei rahmende Veranstaltungen im Jahr ergänzt werden, die das Bücherrepertoir der Leseinsel im Frühjahr eröffnen und im Herbst abschließen. Hierzu wäre eine Lesung im Frühjahr, die mit Bücherspenden beginnt, das passende Format und eine abschließende Veranstaltung, die mit dem Sortieren und dem Verschließen der Kästen der Leseinsel einhergeht, eine wunderbare Ergänzung.
Das Konzept für die Leseinsel wurde im September 2019 als Beitrag beim Ideenwettbewerb des Instituts für Zeitgeschichte und Stadtpräsentation (Wolfsburg) eingereicht und mit einer Nominierung ausgezeichnet.


Leseinsel, Institut für Zeitgeschichte und Stadtpräsentation Wolfsburg, 2019, Fotocollage,
(Stadtbibliothek Wolfsburg, Frontalansicht u. Draufsicht, Technische Zeichnung der Lesekästen
)